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Der Himmel ist offen - Golgatha (19)


26. Der Vorhang zerreißt


Der Heiland stirbt. Unmittelbar danach, zerreißt in Jerusalem der Vorhang im Tempel. „in zwei Stücke, von oben bis unten.“ (Mk.15.38). Ein gewaltiges Ereignis. Zentimeterdickes Gewebe. Ca. 10 x 20 Meter groß. Es zerreißt einfach von oben bis unten.


Der Vorhang trennt im Tempel das Allerheiligste vom Heiligen ab. Das war in der Stiftshütte genauso, wie im Tempel den Salomo gebaut hatte. Und auch hier, in dem Tempel, den Herodes den Juden gestiftet hatte, gab es diesen bunten, mit Cherubim bestickten Vorhang. Kein einziger Jude, kein Priester konnte diesen dunklen Raum betreten. Allein der Hohepriester ging einmal im Jahr dort rein. Am großen Versöhnungstag sprengte er Blut auf und vor den Deckel der Bundeslade (3.Mo.16, Heb.9,6). Er ging mit Angst in diesen Raum, in das Allerheiligste. Aus Furcht, er könne während dieser Handlung sterben, hatte er ein Seil um den Fuß gebunden. So hätte man ihn bergen können, ohne das Allerheiligste betreten zu müssen.


Es ist der Ort, an dem Gott bei Seinem Volk wohnen wollte. In diesem Raum. Hinter dem Vorhang. Unsichtbar, im Dunkeln. Unerreichbar. Die eingewebten Cherubim verwehren den Zutritt, so wie sie auch den Zutritt in den Garten Eden zum Baum des Lebens verwehrten (1.Mo.3,24).


Es ist ca. fünfzehn Uhr. Die neunte Stunde. Die Stunde des Gebets, wie sie in Apg.3,1 genannt wird. Die Juden kommen zum Tempel, um zu beten. Die Priester bringen das Abendopfer dar. Im Heiligtum wird geräuchert. Der Heiland ist eben außerhalb der Stadt gestorben.  Da zerreißt plötzlich der Vorhang. Komplett. Von oben nach unten. Licht fällt in das Allerheiligste. Der Blick auf die Bundeslade wird frei. Was für ein Anblick für die Priester! Nie haben sie in diesen Raum hineingesehen! Mit offenem Mund stehen sie da. Vielleicht mit Entsetzen in den Augen. Eines ist ihnen jedenfalls klar. Hier war Gott am Werk. So ein Vorhand zerreißt nicht einfach so! Und er ist von oben nach unten zerrissen. Der Weg zu Gott ist frei! Später, als immer mehr Menschen in Jerusalem sich bekehren und glauben, werden sich auch eine „große Menge der Priester“ bekehren (Apg.6,7).


Die symbolische Bedeutung dieses Ereignisses ist einfach und herrlich. Der Heiland stirbt am Kreuz. Der Weg zu Gott öffnet sich. Der Zugang zum Thron Gottes, ja zu Gott selbst, ist frei. Was Abermillionen Opfer nicht fertiggebracht haben, ist jetzt durch den Opfertod des Herrn am Kreuz möglich. Herrlich, heute die Erklärungen dazu aus dem Hebräerbrief zu lesen. Zum Beispiel in Kapitel 10. Ich darf ganz furchtlos, ganz offen und frei ins Heiligtum, also in den Himmel selbst kommen. Vor Gott erscheinen. Vor Seinen Thron treten. Der Herr hat durch Sein Fleisch diesen neuen und lebendigen Weg eingeweiht. Der Vorhang ist ein Bild Seines Körpers. So, wie der Vorhang gewebt wurde, so besteht auch der menschliche Körper aus Gewebe. Poetisch drücken Psalm 139,15 und Hiob 10, 11 das aus. In diesem Körper ist der Heiland gestorben und hat den Weg freigemacht. Hebräer 4 beschreibt dann, wie ich vor diesem Thron Gnade, Barmherzigkeit, rechtzeitige Hilfe finde. Was für ein schöner und wunderbarer Ort. Und ich darf ihn jederzeit betreten. Der Vorhang ist zerrissen!


Dabei denke ich auch daran, dass erst jetzt für mich das Leben in einer unglaublich nahen und intimen Beziehung zu Gott möglich ist. Er ist mein Vater geworden. So wie der Herr die vertraute aramäische Ansprache „Abba“ (Papa) benutzte (Mk.14,36), so darf ich den Ewigen heute „Abba“ nennen (Röm.8,16). Der Vorhang ist zerrissen!


Matthäus beschreibt in seinem Evangelium noch weitere Ereignisse, die zeitgleich stattfinden. Die Erde bebt. Felsen zerreißen, Gräber öffnen sich. Nach der Auferstehung des Herrn würden aus diesen entschlafene, heilige Menschen nach Jerusalem kommen und vielen erscheinen. Alle diese gewaltigen Ereignisse stehen in Verbindung mit dem Tod des Herrn. Ebenso, wie der zerrissene Vorhang, deuten sie auf beeindruckende Weise auf die Veränderungen und Ergebnisse durch Jesu Tod hin.


Und ich? Ich darf heute leben! Nach dem Kreuz! 2000 Jahre später. In der Gnadenzeit. Ich darf die Bedeutungen kennen. Sie gelten mir! Ich darf darin leben. Mich darin freuen. Der ganze Segen, die gewaltigen Beziehungen zu Gott und Seinem Sohn – sie gehören mir. Aus Gnade! Der Vorhang ist zerrissen.


Carl Brockhaus hat es vor Jahrzenten so ausgedrückt:


Zerrissen ist der Vorhang
und der Himmel offen,
das Leben und die Herrlichkeit sind unser Los.
Der Fluch, den wir verdient,
hat Dich für uns getroffen.
Lamm Gottes, Deine Lieb ist groß!

Text: Carl Brockhaus (*1822 †1899)

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