Der Gott der zweiten Chance


„Und das Wort des Herrn geschah zum zweiten Male zu Jona.“ (Jona 3,1)

Hier haben wir eine Botschaft, die Hoffnung und Verheißung ausstrahlt. Wenn jemand versagt hat, ist das für Gott noch kein Grund, ihn jetzt einfach abzuschreiben.


Davids Vergehen werden mit schonungslosem Realismus berichtet. Wenn wir sie lesen, sitzen wir mit ihm im Staub und vergehen vor Scham. Aber David ließ sich auch vor dem Herrn zerbrechen und lernte, radikal Buße zu tun. Und Gott hatte mit ihm nicht abgeschlossen. Er vergab ihm und stellte ihn wieder her, um in seinem Leben erneut Frucht zu bringen.


Jona verweigerte sich Gottes Ruf zur Mission und endete schließlich im Bauch eines großen Fisches. In diesem lebenden Unterseeboot lernte er Gehorsam. Als Gott ihn zum zweiten Mal rief, ging er nach Ninive, predigte das unmittelbar bevorstehende Gericht und erlebte, wie sich die ganze Stadt zu tiefer Buße kehrte.


Johannes Markus machte einen glänzenden Anfang mit Paulus und Barnabas, aber dann stieg er plötzlich aus und ging nach Hause. Gott aber ließ ihn nicht im Stich. Markus kehrte wieder in den Kampf zurück, erwarb sich wiederum das Vertrauen von Paulus und wurde berufen, das Evangelium des nie versagenden Knechtes zu schreiben.


Petrus verleugnete den Herrn trotz seiner Beteuerungen unverbrüchlicher Treue. Menschen hätten ihn abgeschrieben und gesagt, dass der Vogel mit dem gebrochenen Flügel in Zukunft wohl nicht mehr so hoch fliegen würde. Doch Gott schrieb ihn nicht ab, und Petrus flog höher als je zuvor. An Pfingsten öffnete er die Tür des Reiches Gottes für 3000 Menschen auf einmal. Er arbeitete unermüdlich und erlitt wiederholt Verfolgungen. Er schrieb die zwei Briefe, die seinen Namen tragen, und krönte schließlich ein herrliches Leben im Dienst für Gott mit dem Tod eines Märtyrers.


Was also den Dienst betrifft, so ist Gott der Gott der zweiten Chance. Er ist nicht fertig mit jemand, nur weil dieser versagt hat. Wann immer Er ein zerschlagenes und zerbrochenes Herz vorfindet, beugt er sich hernieder, um das Haupt Seines gefallenen Kämpfers wieder aufzurichten.


Damit wollen wir jedoch keineswegs Sünde oder Versagen rechtfertigen. Die Zerknirschung und die Gewissensbisse, den Herrn enttäuscht zu haben, sollten Abschreckung genug sein.


Ebenso wenig heißt dies, dass Gott dem unbußfertigen Sünder eine zweite Chance nach diesem Leben gibt. Der Tod ist eine furchtbare Endgültigkeit. Für den Menschen, der in seiner Sünde stirbt, gilt der schreckliche Satz: „An dem Orte, wo der Baum fällt, da bleibt er liegen“ (Prediger 11,3).


William MacDonald


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