Der Platz des Glaubens


“Und Abraham brach auf von dort in das Gebirge östlich von Bethel und schlug sein Zelt auf, Bethel im Westen und Ai im Osten; und er baute dort dem Herrn einen Altar und rief den Namen des Herrn an.” - 1. Mose 12,8


Wem der Herr erschienen ist, der kann nicht mehr stille stehen. Abraham zieht also weiter an einen Ort, der ostwärts von Bethel liegt und westlich von Ai. Dort im Gebirge schlägt er sein Zelt auf, und nicht in den Niederungen von Sodom und Gomorra. Bethel und Ai werden hier erwähnt. Das ist nicht ohne Bedeutung. Wir lesen später in Josua 8, dass Ai eine kleine Stadt war, die von den Kindern Israel zerstört wurde. Nachdem Jericho bereits gefallen war und somit, wenn ich so sagen darf, die ganze Macht des Feindes vernichtet war, erhob sich Ai, um sich dem Einzug der Kinder Israel zu widersetzen. Ai bedeutet “Ruine, Steinhaufen” und ist ein Bild davon, was die Welt für den Glauben ist. In 1. Johannes 5,4 lesen wir, dass es der Glaube ist, der die Welt überwunden hat. Sobald das Auge des Glaubens nicht mehr auf den Herrn sieht, stellt sich uns diese Welt entgegen – auch wenn sie nur eine Ruine ist-, um unseren Einzug in das Land zu verhindern. Ai kann sogar den Sieg davontragen (Josua 7,3-5), selbst eine so kleine Stadt im Vergleich zu Israel!

Abraham sieht Ai hier in seinem wahren Charakter. Ai liegt gegen Osten und vom Osten her kommen Stürme und kalter Wind. Abraham wohnte nicht in Ai, sondern westlich davon. Zur anderen Seite hin liegt Bethel. Bethel heißt “Haus Gottes”. Das sind die beiden Kennzeichen des Aufenthalts Abrahams im Land. Er weilte dort als Fremdling in einem Zelt, aber wohnte in der Nähe des Hauses Gottes. Er wollte sich dort aufhalten, wo Gott war. Wenn er auch noch nicht im Hause Gottes verkehren konnte, so wollte er doch in dessen Nähe wohnen. Deshalb liegt Bethel gegen Westen. Auf der anderen Seite sah er, was die Welt ist, und spürte den kalten Wind, den sie ausströmte. Doch im Glauben verwirklichte er, dass sie ein Trümmerhaufen ist, ein Bereich, der von dem Gericht Gottes spricht, wo er nichts für sein Herz fand. Sein Glaube sah diese Welt als bereits von Gott gerichtet. Das war der Ort, wo er den Namen Jehovas anrief und Gott anbetete.

Wir haben gesehen, wozu die Berufung Gottes uns auf dieser Erde bringen möchte: Gott möchte uns an den Ort bringen, wo Er ist. Wir können diesen Ort nur finden, wenn wir gehorsam sind und danach verlangen, die Reichtümer kennenzulernen, die Er uns verheißen hat. Dann wird Er sich uns offenbaren, uns Seine Herrlichkeit zeigen. Unsere Herzen werden völlig davon in Besitz genommen werden. So halten wir uns als Fremdlinge in diesem Land auf. Es ist noch nicht unser tatsächlicher Besitz, weil wir noch in dieser Welt sind. Doch wir sind bereits in der Nähe des Hauses Gottes, wir könnten sagen, jederzeit bereit, ins Vaterhaus einzugehen. Nichts steht mehr zwischen uns und dem Haus des Vaters. Diese Welt ist für uns ein Trümmerhaufen, und wir bekommen auch noch den kalten Wind dieser Welt zu spüren. Wir sehen sie als etwas, worüber das Gericht Gottes bereits hingegangen ist und womit wir unmöglich Gemeinschaft haben können. Der Gott, Den wir anbeten und mit Dem wir Gemeinschaft haben, hat Sein Gericht bereits über diese Welt hingehen lassen. Und doch haben wir schon hier einen Altar und dürfen Seinen Namen anrufen. Das ist hier die Hauptsache. Wir stehen mit Ihm in Verbindung, haben Gemeinschaft mit Ihm, dürfen mit Ihm sprechen – nicht nur spricht Er mit uns, wie der vorhergehende Vers zeigt. Nein, wir dürfen frei mit Ihm sprechen, sowohl im Gebet als auch in der höchsten Form des Gebets, der Anbetung. Wir dürfen persönlich in Seine Gegenwart kommen, um freimütig mit Ihm zu sprechen, so wie später von Mose gesagt wird, dass Gott mit ihm sprach wie ein Mann mit seinem Freund redet. (2. Mose 33,11) Verlangen unsere Herzen nicht nach einer solchen Gemeinschaft?

H. L. Heijkoop in “Aus dem Wort der Wahrheit” Band I


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