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Golgatha, nur ein Schauspiel? (21)


28. Die Reaktion der Volksmengen


Nachdem der Evangelist Lukas beschrieben hat, wie der Hauptmann auf den Tod des Herrn reagiert, beschreibt er in Kapitel 23, 48 auch die Reaktion der Menschenmengen, die unter dem Kreuz standen. Sie waren gekommen, um die Hinrichtung zu sehen. Sensationslust trieb sie. Für sie war das alles nur ein „Schauspiel“ (Lk.23,48). Eine willkommene Abwechslung in ihrem Alltag. Ein bisschen Nervenkitzel.


Immer wieder erwähnen die Schreiber der Evangelien diese Menschenmenge. Es waren Juden, die in Jerusalem lebten oder zu dem Passahfest angereist waren. Sie begleiten die Szene, von der Verhaftung des Herrn, bis zu Seinem Tod.


Schon in den Garten Gethsemane waren sie mitgekommen, als der Heiland verhaftet wurde (Lk.22,47). Sie waren Teil der riesigen Menschenmasse, die sich auf den Weg gemacht hatte. Ca. 600 Soldaten, die Diener der Hohenpriester und allen voran Judas, der Verräter (Joh.18,3). Sie hatten die Macht des Sohnes Gottes erlebt, als Er sagte: „Ich bin es“ und alle zurückwichen und auf den Boden fielen (Joh.18). Sie hatten gesehen, wie der Heiland das abgeschlagene Ohr von Malchus heilte, hatten erlebt, wie die Soldaten diesen sanftmütigen Menschen gefesselt und abgeführt haben. „Seid ihr ausgezogen wie gegen einen Räuber, mit Schwertern und Stöcken, um mich zu fangen?“ (Mt.26).


Für den Herrn folgt eine Nacht voll ungerechter Anklagen, falscher Zeugen, fieser und boshafter Behandlung, bis endlich in den Augen der Verantwortlichen feststand: „Er ist des Todes schuldig“ (Mt.26). So bringen sie Ihn zu Pilatus.


Hier erwähnt die Bibel auch wieder diese Menschenmenge. Sie nehmen aktiv an der Verhandlung teil. Pilatus bot dem Volk an, einen Gefangenen frei zu lassen, in der Hoffnung, sie würden sich für den unschuldigen Jesus entscheiden. Angestachelt von den Führern des Volkes fordern sie aber die Freigabe des berüchtigten Verbrechers Barabbas. „Was soll ich denn mit Jesus tun?“ fragt Pilatus. „Er werde gekreuzigt!“ war die Antwort der Menschenmasse. „ihr Geschrei […] nahm überhand.“ (Lk.23,23) „Hinweg, hinweg! Kreuzige ihn!“ (Joh.19,15). Was für ein Hass! Dabei hatten sie kurz vorher noch gerufen: „Hosanna! Gepriesen sei der da kommt im Namen des Herrn!“ (Mk.11,9). Palmzweige hatten sie ausgebreitet. Ihre Kleider auf den Weg gelegt. Und jetzt das! „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“, rief das ganze Volk (Mt.27,25).


Als der Heiland dann nach Golgatha ging, gingen sie mit. „Es folgte ihm aber eine große Menge Volk“ (Lk.23,27). Das „Schauspiel“ wollten sie sich nicht entgehen lassen – und sie haben es sich auch nicht entgehen lassen. „das Volk stand da und sah zu“! Alles, was dort auf Golgatha geschehen war, hatten sie mit angesehen, hatten alles genau verfolgt. Hatten sich an der Qual des Heilandes geweidet.


Und jetzt war Er gestorben. Mit einem lauten Schrei. Dann das Erdbeben. Nach all dem, was sie gesehen und erlebt haben, schlagen sie sich einfach an die Brust und kehren zurück (Lk.23,48). Unfassbar! Sie haben nichts weiter als ein Ritual. So wie die Frauen, die ihn beweinten, als Er auf dem Weg nach Golgatha war (Lk.23,27). Der Zöllner in Lukas 18 schlägt sich auch an die Brust. Aber er lässt dieser äußeren Handlung Worte folgen. „O Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig!“ Gerechtfertigt ging er in sein Haus. Sie dagegen kehren einfach zurück. Zurück in ihr altes Leben. Wie nach einem Schauspiel eben…


Als Petrus Wochen später in Jerusalem seine erste Predigt hält, kommt es bei vielen zu einer echten Herzensänderung. Sie schlagen sich nicht auf die Brust, nein, die Botschaft die er hat, dringt ihnen durchs Herz (Apg.2,37). An diesem Tag bekehren sich 3000 Menschen! Nach seiner zweiten Predigt sind es nochmal 5000 Menschen. Das was das Volk auf Golgatha gesehen und erlebt hat, mag bei ihnen den Boden für das Evangelium vorbereitet haben. Als Petrus über diesen Jesus von Nazareth spricht, sind ihnen die Szenen am Kreuz noch lebendig vor Augen.


So groß ist Gott! So gewaltig seine Gnade! Er rettet diese Menschen, die sich in ihrer Verblendung, ihrem Hass gegen seinen Sohn gewandt haben. Gegen diesen einzigartigen, geliebten Sohn. Mehr als 8000 Menschen zu Anfang und bis heute, seit 2000 Jahren, eine unzählbare Menge! Und ich darf dazu gehören!


Es ist das ewige Erbarmen, das alles Denken übersteigt“ (nach Johann Andreas Rothe).


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