Wachzeit


Mein Heiland, wenn ich Dich dort seh´,

bestürzt, beängstigt bis zum Tod,

ringend, kämpfend, in tiefster Seelennot,

da in dem Garten von Gethsemane.

Dann wird das Herz mir schwer,

wie littest Du, wie tief, wie sehr.

Die Jünger nahmst zur Seite Dir,

„bleibt hier und wacht mit mir!“

Dann gingst Du etwas weiter fort,

für Dich allein an stillen Ort.

Doch wolltest Du die Deinen bei Dir wissen,

bei Deinem Kampf, in Deinen Drängnissen.

Als Du dann kamst zu Petrus und den Jüngern,

Du Dich musstest um sie noch kümmern.

Fragst ihn, der für Dich das Leben lassen wollte

„Petrus schläfst du?“, da er doch beten sollte.

„Vermochtest nicht eine Stunde mit mir zu wachen?

Bete und erliege nicht dem Fleisch, dem schwachen!“

Und mir Herr gibst Du Dein Vermächtnis:

„Denk doch an mich, tu dies mir zum Gedächtnis!“

Wie oft wohl kam ich dem nicht nach,

war nicht voll dabei, nicht ganz wach!

Hab mit mir selbst zu tun gehabt,

nur mich und meine Seel´ gelabt.

Statt nur zu denken, Herr an Dich,

und wen´ger sehn dabei auf mich.

Darf vielleicht schon länger mit Dir, Herr, gehen,

doch Du musst mich mit Philippus fragen,

der mit Dir ging in Deinen Erdentagen:

„So wenig kannst du von mir verstehen, den Vater sehen?“

O Herr, hilf meiner Schwachheit, meinem Unvermögen,

wenn ich beschäftigt bin mit mir und meinen Wegen.

Auf Dich allein nur lass mich sehen,

ja wachend in Deiner Nähe stehen.

Dass mein Gedenken Dich Herr ehrt,

und ich bekenn, wie viel ich Dir wert.

Mein Heiland, Herr, Dich will ich sehen,

im Herzen den Kreuzweg mit Dir gehen!

Mit den Jüngern sagst Du dann mir aus reiner Gnad:

„In meiner Versuchung hast du mit mir ausgeharrt!“

Danke Herr für alles, was Du an mir getan,

und mir noch hilfst, dass ich Dir danken kann!


Nach Markus 14,37 und Johannes 14,9


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