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Golgatha (2)


3. Die weinenden Frauen


Der Zug nach Golgatha setzt sich fort. Neben den rauen Soldaten, den Führern des Volkes und Simon, welcher dem Herrn das Kreuz nachträgt, folgt diesem Zug eine große Menge Volk (Lk.23,27). Sie kannten Ihn. Er hatte drei Jahre unten Ihnen gearbeitet. Wie viele von ihnen haben Ihm zugehört, sind getröstet worden und haben Sein ganzes Mitgefühl erlebt. So oft war Er innerlich bewegt über sie und ihr Elend. Unmöglich konnte dies unbemerkt bleiben. Unzählige wurden geheilt, konnten wieder sehen, reden, gehen. Und am Ende? Am Ende haben sie Ihn doch abgelehnt. Unter der Anleitung der hasserfüllten Führer haben sie übermäßig geschrienen:


Kreuzige, kreuzige ihn!“ Lieber wollten sie einen Mörder auf freiem Fuß sehen, als Ihn, der, statt Leben zu nehmen, Leben im Überfluss geben wollte (Joh.10,19). Jetzt folgen sie Ihm auf dem Weg nach Golgatha.


Lukas berichtet auch davon, dass in diesem Zug Frauen waren, die wehklagten und Ihn beweinten. In Psalm 69 klagt der Herr darüber, dass Er auf Mitleid und Tröster gewartet, aber keine gefunden hatte. Auch in diesen Frauen nicht. Vielleicht waren sie emotional bewegt darüber, dass Menschen hingerichtet wurden, vielleicht waren sie auch nur „angestellte“ Klagefrauen. Der Herr dreht sich zu ihnen um. Obwohl Sein Herz voll gewesen sein muss, von dem, was vor Ihm stand, nimmt er Notiz von ihnen. Und mehr als das! Er hat eine Botschaft für sie. Sie sollten nicht über Ihn weinen, sondern über sich selbst und über ihre Kinder. Furchtbare Tage würden kommen. Tage, an denen man die glückselig nennen würde, die keine Kinder haben würden – die nicht mitansehen mussten, wie ihre Kinder Leid und Elend zum Opfer fallen würden. Der Herr hatte schon einmal in diesem Evangelium darüber gesprochen (Lk.21,23). Diese Tage würden so schlimm werden, dass man sich wünschte von Bergen und Hügeln bedeckt zu werden.


Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!“, hatten sie geschrien. In 40 Jahren sollte sich das erfüllen. 70 n.Chr. kam Titus und machte Jerusalem dem Erdboden gleich. Unzählige verloren ihr Leben. Der Herr sah dies alles voraus. „Weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und eure Kinder“. Er war das grüne Holz (Vers 31), der Spross aus dürrem Erdreich. Er war kraftvoll und grün und musste doch beten: „Mein Gott, nimm mich nicht weg in der Hälfte meiner Tage!“ (Ps.102,25). Wenn Ihm dies wiederfuhr, was musste dann mit dem dürren Holz, mit dem Volk geschehen, dass nicht bereit war Buße zu tun! Wie hatte Er sich um sie bemüht! Noch einmal, hier, kurz vor dem Kreuz, richtet Er diesen Appell an sie, umzukehren und über sich selbst zu weinen. Immer bewegte Ihn das, was andere betraf. „Weint nicht über mich“. Keiner ist wie Er!


4. Ankunft auf Golgatha


Der Zug setzt sich weiter fort. Bis sie nach Golgatha kommen, dem Ort, der Schädelstätte genannt wird (Lk.23,33). An diesem Ort vollzogen die Römer ihre grausamen Hinrichtungen. Nicht umsonst wurde er Schädelstätte genannt. An diesem Ort, sollte auch der Unschuldige hingerichtet, gekreuzigt werden.


Was mag beim Anblick dieses Ortes in der Seele des Heilandes vorgegangen sein? Hier würde Er leiden unter den furchtbaren Schmerzen von Körper, Seele und Geist. Hier würde Er mit Sünden beladen von Gott gerichtet werden – zur Sünde gemacht! Hier würde Er sterben und das Werk ausführen, dass Gott der Vater Ihm gegeben hatte.  Außerhalb von Jerusalem, wie das Sündopfer, das außerhalb des Lagers verbrannt wurde (Heb.13,11-12).


Dies war aber auch der Ort, an welchem Er den gewaltigsten und herrlichsten, den weitreichendsten Ruf der Menschheitsgeschichte tun würde:


Es ist vollbracht!


Was für ein Ort! Wie bedeutsam für Ihn – wie bedeutsam für uns!


Nach Golgatha, Golgatha geht unser Blick!
Du trugest das Kreuz, Herr, so gingst Du den Weg
hinaus zu der Stätte, die Golgatha heißt,
an der sich Dein Herz, Deine Liebe erweist.

Auf Golgatha wurdest für uns Du ein Fluch,
o Lamm, das vor Gott unsre Sünden dort trug!
O Lamm, das geschlachtet, das litt und das starb
und das durch Sein Blut dort für Gott uns erwarb!

Auf Golgatha, Golgatha brachtest Du dar
Dich selbst ohne Flecken auf Gottes Altar.
Zum ew’gen Gedächtnis wird, heilig und rein,
Dein Opfer am Kreuze – wird Golgatha sein!

Fortsetzung folgt


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